Mitfühlen können und tiefe Empathie empfinden

Der Psychologe Simon Baron-Cohen sieht in Empathie eine Universallösung: „Jedes Problem, das man mit Empathie behandelt, wird lösbar.“ Die Fähigkeit, die Qual anderer wahrzunehmen oder einen leisen Widerhall ihrer Erregung zu spüren und daher auf eine Weise zu reagieren, die uns die andere Person näherbringt statt sie zu entfremden ist für bestimmte Berufsgruppen eine direkte Anforderung – Pflege, Verkauf, Unterrichten, um nur einige zu nennen. In britischen Schulen gibt es mittlerweile Unterrichtseinheiten zur emotionalen Bildung, sodass neben Sprache und Zahlen die Fähigkeit, sich einzufühlen, zum Indikator für den Entwicklungsstand eines Kindes wird.

Besteht bei uns eine feste Verdrahtung, das Leid oder das Glück anderer Menschen zu spüren?
In den 1980er haben Neurowissenschaftler an der Universität Parma in den Gehirnen von Affen Zellen entdeckt, die nicht nur aktiv werden, wenn das Tier eine bestimmte Handlung ausführt – etwa eine Banane isst -, sondern auch, wenn es ein anderes bei der gleichen Tätigkeit beobachtet. Die Forscher tauften diese Zellen „Spiegelneuronen“. Spiegelneuronen sind ein Resonanzsystem im Gehirn, das Gefühle und Stimmungen anderer Menschen beim Empfänger zum Erklingen bringt. Das Einmalige an den Nervenzellen ist, dass sie bereits Signale aussenden, wenn jemand eine Handlung nur beobachtet.

Mitgefühl oder engl. Compassion kann man auch mit dem Wort Barmherzigkeit gleichsetzen. In seiner tiefsten Ausprägung ist es die herzzerbrechende Traurigkeit eines Menschen, die uns anrührt. Sie umschließt allerdings auch alle Lebewesen der beseelten Welt. Seien es Tiere, Bäume, Vögel…

Mitgefühl öffnet die Intelligenz des Herzens und zu spontaner Intuition, dem Schlüssel durch Harmonie zwischen Herz und Gehirn. Diese können gleich schwingen. Herzkohärenz als Ausdruck des harmonischen Rhythmus von Herzschlag, Atmung, Blutdruck und Puls sorgt zudem dafür, dass wir in mentaler Ausgewogenheit, dem Zustand vollkommener Gesundheit sind und lässt Alterungsprozesse deutlich verlangsamen, aufhalten und sogar umkehren. Der Neurokardiologe Andres Armour entdeckte 1991 sensorische Neuriten im Herzen, die unabhängig vom Gehirn lernen und sich erinnern können. Diese 40.000 Zellen nannte er das Gehirn des Herzens.

Für unser Überleben als Menschheit wird es in Zukunft von immenser Bedeutung sein dieses Merkmal weiterzuentwickeln. Dadurch öffnen sich neue Bewusstseinsräume, Möglichkeiten und Gestaltungsspielräume.

Trainieren und Einüben lässt sich Mitgefühl über Achtsamkeit, Meditation, Bewusstseinsschulung und Steigerung von Empathie und Liebesfähigkeit.