Es mag komisch klingen, aber in Zeiten der Digitalisierung ist der Fokus für Führungskräfte deutlich mehr in Richtung Mensch und Mitarbeiter gerückt. Eine zukunftsfähige Mitarbeiterführung verlangt von Managern, dass sie sich in ihre Mitarbeiter hineinversetzen können, Herausforderungen aus deren Sicht betrachten und verstehen können, wie deren Wahrnehmung verläuft und wie deren Verhalten motiviert ist.

Als Frank nach der ersten Reverse Mentoring-Einheit durch einen jüngeren Kollegen an seinen Kompetenzen zweifelt und sich nicht mehr wertgeschätzt fühlt, trifft er am Kaffeeautomaten auf seine Chefin. Anne hat vor einigen Jahren erkannt, dass es sinnvoll ist, neben der Erfahrung und Intuition auch aktuelles Wissen für die Führung von Mitarbeitern zu haben. Sie bildet sich seitdem regelmäßig weiter. Ihr letzter Psychologiekurs hat ihr gezeigt, dass sie vieles einfach aus ihrer Intuition heraus richtig macht. Er hat ihr aber auch viele neue Informationen und Einblicke gegeben. Mit dem Knowhow kann Anne nun Verhalten von Mitarbeitern deutlich besser einschätzen und adäquat darauf reagieren.

Als sie Frank am Automaten stehen sieht, spricht sie ihn an: Ich habe das Gefühl, wir hätten Euch erst einmal erklären sollen, warum wir das Reverse Mentoring für Euch ausgewählt haben und nicht einfach mit der Tür ins Haus fallen. Das sollte eine Möglichkeit schaffen, die Jungen zu integrieren und Euch zu zeigen, dass die auch etwas draufhaben, was Euch auch noch neue Impulse gibt.

Sie merkt, wie bei Frank die Anspannung nachlässt: Ach so war das gedacht. Ich habe mich vorgeführt gefühlt, als wenn ich Ahnung von gar nichts habe. Auch die anderen, die schon lange dabei sind, waren wegen der Aktion ziemlich nervös.

Anne nickt: Ja, da haben wir einen Fehler gemacht. Ihr macht so gute Arbeit und seid so lange schon dabei. Wir hätten die Einführung von Reverse Mentoring vorher mit Euch besprechen müssen.

Anne kann durch ihr psychologisches Wissen Spannungsfelder besser ausmachen, Wahrnehmungsmuster erkennen und Selbst- und Fremdbild trennen. Sie hat gelernt, deeskalierend mit Konflikten und Kritik umzugehen.

Menschliches Verhalten und Gefühle ergründen, Glaubenssätze und Rollen erkennen, das ist für Führungskräfte zunehmend wichtig, die damit oftmals eher zum Coach und Mentor werden. Empathie hat dabei einen hohen Stellenwert. Sie gibt dem Gegenüber das Gefühl, verstanden zu werden, wertvoll und anerkannt zu sein.

 

Tipps:

  • Während Maschinen das Berufsbild vieler Jobs, den Arbeitsalltag und Abläufe immer mehr bestimmen, sind Menschlichkeit bzw. soziale Kompetenzen gerade bei Führungspersonen wichtiger denn je. Dazu gehört ebenso Achtsamkeit wie Intuition. Noch viele weitere Kompetenzen zählen dazu, die auch gesammelt als Zukunftskompetenzen bezeichnet werden.
  • Während man anfangs häufig meinte, für die Digitalisierung eines Unternehmens reiche es, mit den notwendigen digitalen Tools umgehen zu können, sind nun vielmehr die weichen sozialen Kompetenzen in den Vordergrund gerückt. Denn man hat gemerkt, dass Mitarbeiter gerad in Zeiten des schnellen Wandels Führungspersonen brauchen, die sich durch Menschlichkeit und persönliche Stärke auszeichnen.